Sonntag, 30. Dezember 2012

AVANTGARDE

U-Bahnhof Kaiserdamm, erster Weihnachtsfeiertag. Eine ältere Dame steigt in die U2, setzt sich, zieht mit spitzen Fingern einen Schokoladenosterhasen aus ihrer Handtasche, wickelt ihn aus und verzehrt ihn genüsslich.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.12.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 23. Dezember 2012

Na dann ein Frohes Fest!

Weihnachtsmenue aus der Tube

Jahresrückblick

Lo Graf von Blickensdorf PerformanceIm Tagesspiegel vom 22.12.2012 wurden zwei meiner kleinen, selbst erlebten und aufgeschriebenen Geschichten, die regelmäßig in der Rubrik “Berliner Liste” erscheinen, zu den besten des Jahres gekürt. Hier sind sie noch einmal:

MEHR GESUNDHEIT
Ein Nachmittag im Café am Lietzensee. An der Theke bestellt eine mollige Frau ein Stück Sachertorte “mit einer doppelten Portion Sahne”, schaut sich zu den hinter ihr wartenden Leuten um und fügt entschuldigend hinzu: “Ich will mal wieder meine Kalziumwerte auf Vordermann bringen.”

WAS ZUM ANFASSEN
Eine Frau kommt mit ihrer Teenager-Tochter in eine Buchhandlung an der Wilmersdorfer Straße und sagt: “Du immer mit deinem Facebook – jetzt kaufe ich dir mal ein richtiges Buch!”

Sonntag, 9. Dezember 2012

MANNSWEIB


Dienstagnachmittag in der Patisserie Harry Genenz in Westend. Zwei Damen bemerken lautstark und mehrfach, dass heute ausnahmsweise ein Herr bedient. Darauf der Herr: "Soll ich mir vielleicht ein Kleid anziehen?"

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 09.12.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 8. Dezember 2012

Unlust



Mittwochnachmittag vor einem Straßencafé am Kurfürstendamm. Sagt eine junge Frau zu ihrem Begleiter:„Hast du Lust auf einen Kaffee?“ Daraufhin antwortet er: „Nicht die Bohne.“

Montag, 26. November 2012

Bei Anruf: Suche


Montagmittag in der Patisserie Harry Genenz am Adenauerplatz. Ein ständiges Handyklingeln stört die bisherige Ruhe. Ein älterer Herr sucht nervös in allen Taschen nach seinem Handy. Als er es gefunden hat und sich meldet, stutzt man. Die Stimme kennt man doch? Es ist Peter Scholl-Latour.


Sonntag, 4. November 2012

Der Graf is(s)t Kunst

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Ein Tipp für Gentlemen

Einstecktuch PappeIch hatte immer ein großes Problem. Wenn ich von einer Party nach Hause kam, war stets mein seidenes Einstecktuch verschwunden. Anfangs dachte ich, dass die blaublutrünstige Dame, mit der ich zuvor auf der Party geflirtet hatte, eigentlich eine militante Tierschützerin war und sich für den Schutz von Seidenraupen einsetzte und aus diesem Grunde mir mein Einstecktuch stibitzt hatte. Doch weit gefehlt. Beim näheren Hinsehen entdeckte ich, dass es im Laufe des Abends immer tiefer in die Einstecktuchtasche meines Jacketts gerutscht war, bis es irgendwann ganz verschwunden war. Nachdem mir das oft passiert war, hatte ich die blitzgeborene Idee, mir eine Vorrichtung zu Basteln, um dem Abhilfe zu schaffen. Und so geht's,  also: Man nehme einen Karton, schneide ihn sorgfältig zurecht (1 + 2), stecke ihn in die Jackettasche (3) und stülpe das Seidentuch darüber (4) – fertig! Diese pfiffige Idee habe ich mir schützen lassen und nenne es den „Graf Blickensdorfer“. Demnächst wird er nur von exklusiven Herrenmodeherstellern aus hochwertigen Materialien hergestellt und vertrieben und so werde ich in die Herrenmodengeschichte eingehen - ach ja, ...und schweinereich.

Montag, 29. Oktober 2012

Eine wahre Geschichte passend zu Halloween


KreuzNeulich ging ich Nachts mit einem Kollegen von einer Party nach Hause und wir beschlossen, die Abkürzung über den Friedhof zu nehmen. Als wir uns gerade gegenseitig übermütig  Friedhofswitze erzählten, hörten wir zwischen den Gräbern plötzlich ein Geräusch und erschraken. „Tack-Tack-Tack“. Uns war plötzlich nicht mehr zum Lachen zu Mute. Wir schauten vorsichtig nach, von wo das Geräusch kam. Nach einer Weile fanden wir einen alten grauen Mann, der mit Meißel und Hammer einen Grabstein bearbeitete. Wir fragten den Mann: „Was meißeln Sie denn hier mitten in der Nacht herum? Sie haben uns ja fast zu Tode erschreckt. Wir glaubten schon, Sie wären ein Gespenst!” Der graue Mann antwortete: “Ach, diese blöden Steinmetze haben meinen Namen falsch geschrieben!”

Freitag, 26. Oktober 2012

Hallo Wien!

Nikis Cupcakes halloweenOb in Wien Halloween gefeiert wird, weiß ich nicht so genau. Mir ist zum Beispiel dieser Brauch fremd gewesen, denn als ich Kind war, wurde Halloween nicht zelebriert. Vor ein paar Jahren wurde ich zum ersten mal mit Halloween konfrontiert, als plötzlich eine Handvoll kostümierter Kinder vor meiner Schlosstür standen und im Chor sagten: “Wir sind kleine Geister, essen gerne Kleister, wenn Sie uns nichts geben, bleiben wir hierCupcakes Nikis Cakes 1 kleben.” Noch vor 10 Jahren hätte man noch erstaunt ausgerufen: “Ick kleb’ euch gleich eine!” Nun gut, ich wollte nicht, dass sie vor meiner Tür kleben blieben, denn das hätte nur hässliche Flecken gegeben und so gab ich ihnen reichlich Süßigkeiten.
Wem ebenso wie ich, Halloween fremd ist, aber trotzdem dem Ganzen etwas aufgeschlossen ist, macht den Anfang bei Niki’s Cakes, denn dort gibt es jetzt schon die passenden Leckereien, die wunderbar schmeckenden “gruseligen” Cupcakes (siehe Fotos) – und man muss nicht extra nach Wien dafür fahren!

Niki’s Cakes - The American Style Bakery, Windscheidstraße 1, 10627 Berlin (direkt am Sophie-Charlotte-Platz), Öffnungszeiten: DI – SA 11 – 18 Uhr, SO 12 – 18 Uhr

Sonntag, 21. Oktober 2012

Servicewüste Deutschland

Restaurantschiff Captn Schillow
Letzten Sonntagnachmittag an der Straße des 17. Juni um halb Drei. Beste Kaffee und Kuchenzeit. Weit und breit kein Café, außer dem Restaurantschiff Capt’n Schillow am Landwehrkanal. Der Kellner weist einem einen kleinen Tisch auf dem Oberdeck zu, an dem man noch die letzten Strahlen der Herbstsonne genießen kann. Doch bedient wurde ich nicht. Anscheinend ging es einer Gruppe von Touristen am Nachbartisch eben so, denn eine Frau fragte beim Kellner nach, ob ihr bestelltes Getränk noch komme. Sie warte doch schon so lange darauf und hätte fürchterlichen Durst. Daraufhin vertröstet der Kellner sie: „Ich bekomme auch nicht immer alles sofort.“ Als auch ich auf Nachfrage die knappe Antwort bekam, dass der Kuchen „aus“ wäre, verließ ich das ungastliche Schiff.

Restaurantschiff Capt’n Schillow, Straße des 17.Juni, am Charlottenburger Tor, 10115 Berlin

Samstag, 13. Oktober 2012

Backen für den Tortengraf

Ruth Moschner in Graf von Blickensdorfs Tortenblog
Bei meinen zahlreichen privaten Einladungen zu Kaffee und Kuchen habe ich schon öfters eine Schrotkugel in der nicht gerade ansehnlichen Torte gefunden. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wie so etwas passieren kann? Ganz einfach: Die oder der Gastgeber haben beim Backen die Flinte ins Korn geworfen. Den verzweifelten Satz: „Entschuldigen Sie, aber die Torte ist mir etwas verunglückt...“ habe ich schon sehr oft gehört. Mal ehrlich, liebe Leserin, lieber Leser, das ist Ihnen doch bestimmt auch schon mal widerfahren, oder?
Das kann einem mit dem Backbuch „Backen für Angeber“ der beliebten TV-Moderatorin und Journalistin Ruth Moschner nicht passieren. In ihm Rotkppchens Rettung Graf von Blickensdorf _Ruth Moschnerfindet man leicht nachzumachende Backrezepte, deren Resultate sich auch noch sehen lassen können. Wenn man dazu die exzellenten Fotos sieht, möchte man am liebsten alles noch am selben Tag nachbacken. Da wird man mit ein paar kleinen Tricks zum Chefpatissier. Mit viel Sachkenntnis und Humor macht es Ruth Moschner dem Laien und Hobbybäcker einfach, die Rezepte selber in die Tat umzusetzen. Es gibt so traumhafte Leckereien mit wunderbaren Namen wie „Dekadenter Pistazienkuchen“, „Schwangere Brezel“, „Kaiser-Soufflé“, „Heiße Hüpfer“ oder „Rotkäppchens Rettung“ (s.Foto oben). Da braucht man keine Angst mehr haben, wenn sich der Chef oder gar der Tortengraf mit kritischer Zunge zum Besuch angekündigt haben.
Ein Satz aus dem Vorwort spricht mir besonders aus der Seele: „Torten, Cupcakes und Co. sollten während ihrer Verspeisung immer die volle Aufmerksamkeit bekommen.“ Da haben Sie ja sooo recht, liebe Frau Moschner, meine Seelenschwester!
Nach dem Kauf dieses Buches findet der Tortengraf garantiert keine Schrotkugel mehr in Ihrem heimischen Kuchen und Sie können mit Ihrer Backkunst so richtig angeben!

Ruth Moschner „Backen für Angeber“ ist erschienen im Südwest Verlag, 16,80 EUR (alle Fotos aus dem Buch)

Sonntag, 23. September 2012

Charlottenburg

Mittwoch in Charlottenburg. Vor einem Café genießen zahlreiche Mütter mit Kinderwagen die warme Herbstsonne, während ihre Kleinen johlend und kreischend spielen. Ein älterer Herr beobachtet die Szene und sagt zu seiner Begleiterin: "Hier geht's ja zu wie in Prenzlauer Berg!" 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.09.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Freitag, 14. September 2012

Sonntag, 9. September 2012

Sport ist Mord

Freitagabend im Charlottenburger Schlosspark. Sagt ein Jogger völlig verschwitzt und kurzatmig zum anderen: “Es würde mir mehr Spaß machen, wenn der Schlosspark etwas kleiner wäre!"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 09.09.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 26. August 2012

SPIEGEL-Affäre

Montagmorgen in einem Kiosk am Spandauer Damm. Ein Obdachloser mit mehreren Plasiktüten kauft vier Flachmänner Weinbrand - und den "Spiegel".

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 26.08.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 5. August 2012

DREI DAMEN SIND SCHRILL

Montagnachmittag bei Karstadt in der Wilmersdorfer Straße. Hinter dem Schokoladen- und Pralinenstand sitzt eine Verkäuferin auf einem Hocker und hat einen lauten Lachanfall. Sie wird von zwei Kolleginnen beruhigt, doch sie prustet umso heftiger los. Sagt eine mollige Kundin im Vorübergehen zu ihrem Begleiter: "Siehste, Schokolade macht doch glücklich!" 

WESTEND GIRL

Dienstagnachmittag am S-Bahnhof Westend. Eine gut gekleidete Frau um die Vierzig telefoniert mit einem brillanten-verzierten iPhone - während sie mit der anderen Hand die Papierkörbe nach Pfandflaschen durchstöbert.

Diese beiden, von mir persönlich erlebten und aufgeschriebene Geschichten, erschienen am 5.08.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 29. Juli 2012

Dir gefällt das


Montagmorgen in der Sophie-Charlotten-Straße. In einem Fenster im Parterre hängt ein Zettel: “Ich fahr nicht in Urlaub – ich hab ja Facebook.” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 29.07.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 21. Juli 2012

Ohne Torte ins Bett

Café am Neuen See Berlin
Zwei Freunde kommen aus einem Restaurant. "Mieses Lokal", flucht der eine, "die Suppe versalzen, das Gemüse kalt, das Fleisch zäh..." - "Ja", pflichtet der andere bei, "und wenn wir nicht so schnell gegangen wären, hätten wir das alles auch noch bezahlen müssen."
So wie in diesem Witz habe ich mich mit zwei guten Freunden letzten Donnerstag im „Café am Neuen See“ gefühlt – nur mit dem kleinen Unterschied: Wir haben gar nichts bekommen!
Dabei wollte ich ursprünglich eine gute Kritik über dieses Lokal schreiben, weil ich vor einigen Wochen für eine Gruppe von fast 30 Personen im vollbesetzten Restaurant ohne Voranmeldung doch noch unkompliziert Platz bekam und wir obendrein noch ausgezeichnet bewirtet wurden. Auch habe ich vor einigen Jahren dort ein sehr amouröses Abenteuer erlebt, von dem ich in meinem Buch „Werden Sie doch einfach Graf!“ (Seite 30) ausführlich berichte (geschicktes Product-Placement, oder?). 
Doch dieses Mal war es anders: Wir standen an der Kuchenvitrine und fragten eine vorbeihetzende junge Frau, vermutlich eine ungelernte, studentische Aushilfskraft, ob wir hier bei ihr den Kuchen bestellen könnten, weil überall „Selbst-bedienung“ stand. In einem Ton wie zu einem 6-Jährigen sagte sie zu mir: „Setzen Sie sich schon mal draußen hin, ich komme dann zu Ihnen.“ Hoffnungsfroh setzten wir uns draußen an den so genannten „Stammtisch“, auf dem ein großer Aschenbecher stand, in dem etwa die 2-Tages-Produktion von Zigarettenkippen eines Kettenrauchers im Regenwasser schwamm. 
Da die Sonne sich nach langer Zeit mal wieder für eine halbe Stunde zeigte, genossen wir es erstmal, einfach nur in der Sonne zu sitzen. Doch nach 40 (!) Minuten Warten haben wir fluchend (siehe oben), die ungastliche Stätte verlassen. Die ungelernte, studentische Aushilfskraft war wie vom Erdboden verschluckt. 
Das war einer der sehr seltenen Tage im Jahr, an dem ich mal ohne tägliches Tortenstück die gräflichen Gemächer aufgesucht habe.

Café am Neuen See, Lichtensteinallee 2, 10787  Berlin, geöffnet Montag bis Freitag ab 8:00 Uhr und Wochenende ab 9:00 Uhr

Dienstag, 17. Juli 2012

Café Kranzler, Berlin

Café Kranzler KurfürstendammDas mondäne Café Kranzler residierte bis zum Jahre 2000 auf allen Etagen und war die erste allererste Adresse in Sachen Kaffeehauskultur (siehe Postkarte oben aus den 60er Jahren) in Berlin. Damals hieß es noch Allerortens: „Draußen nur Kännchen.“ Das hat sich, dem Kaffeegott sei Dank, seit Einführung des Milchkaffees und des Cappuccinos von selbst erledigt. Man flanierte über den Kurfürstendamm und setzte sich zum Verweilen in das Straßencafé des Kranzlers, um dem bunten Treiben der Großstadt bei einer Tasse Bohnenkaffee zuzuschauen. Unvergesslich ist selbstverständlich der Auftritt der Kabarettlegende Wolfgang Neuss im Café Kranzler, das 1983 als Kulisse für die SFB-Talkshow „Leute“ diente, als er den Bundespräsidenten in spe, Richard von Weizsäcker, duzte und mit „Ritchie“ ansprach. Leider gehören diese schönen Zeiten der Erinnerung an und nichts mehr ist vom früheren Charme vorhanden. Nur der Name existiert noch – leider!
Mangotorte Café Kranzler
Übrig geblieben vom einst renommierten Café Kranzler ist lediglich nur noch die oberste Etage. In den restlichen Räumen hat sich eine Textilkette mit hässlicher Mainstream-Mode breit gemacht. Wenn man das Café mit der veralteten Einrichtung ohne Atmosphäre betritt, fällt einem ein Schild an der Wand auf: „Erdbeerbecher 7,90 €“. Aua! Wahrscheinlich wird er statt mit Krokant mit Swarovski-Steinen bestreut?
Noch etwas fiel negativ auf: Die Tortenvitrine steht nicht direkt an der Theke, sondern weit davon weg im Flur. Dort sind die Torten so lieblos untergebracht, wie Raubmörder in einer Justizvollzugsanstalt. Da ahnt man schon, dass hier die Kaffeehauskultur nicht sehr ernst genommen wird. Und richtig! Das obligatorische (kostenlose) Glas Leitungswasser zum Milchcafé wurde mir verwehrt. Den Zweck durchschaut man schnell. Es soll stattdessen das überteuerte Mineralwasser in Flaschen gekauft werden. Ich berichtete schon einmal hier in diesem Blog über einen ähnlichen Fall. Doch leider ist das etwas zu kurz gedacht. Dadurch verärgert man seine Gäste, die dann nie wieder kommen und so hat man überhaupt keinen Gewinn in der Kasse. Und obendrein ist das keine schöne Werbung für unsere wundervolle Stadt Berlin. Denn der eine oder andere Offenbacher Tourist wird das natürlich zu Hause rum erzählen: „Doa gibt‘s nedd emol ein Gloas Kraanewassä zum Kaffee…“ und der Bayer wird nur knapp bemerken: „Damische Saupreißn, damische.“
Für alle, die es nicht wissen: Das mit dem Kaffee servierte Glas Wasser dient dazu, die Geschmacksknospen auf den Kaffeegeschmack vorzubereiten. Ein guter Kaffee schmeckt nämlich noch besser, wenn man vorher Mund und Kehle mit einem oder zwei Schluck kühlem Wasser spült und erfrischt. Wenn dem Gast dieses verwehrt wird, ist das ein Zeichen von Unkenntnis der Kaffeekultur. Es ist allerdings ein Irrglaube, dass man zum Kaffee Wasser trinken soll, weil der Kaffee dem Körper Wasser entzieht. In sehr guten Kaffeehäusern bringt der Kellner einem bei längerem Aufenthalt auch noch unaufgefordert Wasser nach. In meinem kleinen Stammcafé Reet am Klausenerplatz ist es schon immer gang und gäbe, dass es zu jedem Kaffee ein Glas Leitungswasser serviert wird. Das hat Stil, das hat Klasse!
Die bestellten Torten waren nichts besonderes. Auf dem Stück Erdbeertorte meiner Begleiterin befanden sich so wenig Erdbeeren wie Sonnenstudios in der Wüste Gobi. Die Erdbeeren wurden sicher für den überteuerten Erdbeerbecher gebraucht. Ich hatte ein unspektakuläres Stück Mangotorte (s. Foto oben links), die ich aus ihrem Gefängnis im Flur befreite. Aber es dankte mir nicht mit gutem Geschmack.
Dass sich die Toiletten in der Tiefgarage befinden, rundet das negative Bild dieses Ladens nur noch ab. Man muss, wie in einem Alfred-Hitchcock-Film, durch unheimlich wirkend leere Gänge laufen, bis man die WCs findet. Und dann muss man mit dem Lift wieder ein paar Etagen nach oben fahren, vorbei an der  hässlichen Mode. Alles in allem – ein gruseliger Besuch – aber auch mein letzter.

Café Kranzler Berlin, Kurfürstendamm 18, 10719 Berlin, täglich 8:30 – 20 Uhr

Sonntag, 15. Juli 2012

Brust rein, Bauch raus

Montagmorgen im Olympiabad. Zwei Männer und eine Frau unterhalten sich über ihr Schwimmen vom Vortag. Die Männer klagen über Muskelkater im Bauchbereich. Sagt die Frau: "Das kommt nur davon, dass ihr hier immer eure Bierbäuche einzieht."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 15.07.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste". 

Sonntag, 8. Juli 2012

Von Kopf bis Fuß

Montagnachmittag, ein Herrenausstatter in der Wilmersdorfer Straße. In der Oberhemdenabteilung hört man plötzlich eine vertraute Stimme. Tatsächlich: Es ist Klaus Wowereit, der zusammen mit seinem Lebenspartner Hemden aussucht. 20 Minuten später fragt in der Schuhabteilung jemand: "Wie sind denn die?" Wieder die bekannte Stimme...
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 8.07.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 1. Juli 2012

Kinder der Nacht

Samstagabend in der S5 in Mitte. Eine schwarzgekleidete junge Frau Anfang 20 fragt höflich, wie spät es sei. Als ihr ein Mann antwortet, dass es zehn nach Neun sei, erwidert sie: “Morgens oder Abends?”

Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 1.07.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 25. Juni 2012

Für mich soll`s Rosenbrötchen regnen…

Heute möchte ich mal eine Lanze für die kleinen Bäckereien in unserem Lande brechen, die täglich um ihr Überleben kämpfen, während die großen Bäckereiketten, von Gier getrieben, sich aufblähen wie Hefeteig um dann irgendwann einmal zusammenfallen wie ein altes Zirkuszelt, Insolvenz anmelden und tausende von treuen Mitarbeitern auf die Straße ins Hartz-4-Leben entlassen, während die Chefs ihre Porsche weiterfahren. Das hat das Beispiel Schlecker ja gezeigt. Es spricht viel Rosenbrötchendafür, lieber bei dem kleinen Bäcker seines Vertrauens zu kaufen, als einen Haufen Chemie in der Brötchentüte nach Hause zu tragen.
Zum Beispiel mein Bäcker Bernhardt fertigt alle Backwaren noch von Hand, lässt den Teig in Ruhe reifen, setzt auf hochwertige Rohstoffe und nicht auf Backmischungen oder Tiefkühl-teiglinge, wie in den Ketten, salzt ausschließlich nur mit Meersalz, Eier von freilaufenden Hühnern sind selbstverständlich und es kommt nur Mehl aus biologischer Erzeugung aus der Umgebung zum Einsatz. Übrigens: Kennen Sie den Unterschied zwischen einer Trompete und einer Mehltüte? Nicht? Dann blasen Sie mal rein. Spaß bei Seite.
Die Rosenbrötchen (s. Foto oben) bei Bäcker Bernhardt schmecken noch wie in der Kinderzeit, als es noch keine Bäckereiketten gab und selbst die normalen Brötchen schmecken auch ohne etwas drauf himmlisch! Daran hat die Chemische Industrie von Bayer Leverkusen garantiert nichts Linzer Torteverdient. Wenn man einmal diese Backwaren gegessen hat, ekelt man sich regelrecht von den Chemiekeulen der Bäcker-eiketten. Oder der Kuchen! Zum Beispiel die Linzer Torte (nur 1,70 EUR das Stück!) ist soooo gut – eine bessere habe ich außerhalb von Linz noch nie gegessen. Und das ist jetzt nicht übertrieben (s. Foto). So stelle ich mir das Paradies vor: Linzer Torte fliegt einem direkt in den Mund und vom Himmel regnen Bernhardts Rosenbrötchen.
Bitte, liebe Leserin und lieber Leser, geben Sie lieber etwas mehr Geld für Ihre Backwaren aus. Dafür bekommen sie korrekte Ware die gut schmeckt und auch noch umweltfreundlich ist. Und ein kleiner Handwerksbetrieb kann Überleben. So, das waren jetzt aber mehrere Lanzen. „Wo werden wir tanzen?“ sprachen die Lanzen. Nichts ist, Marsch ins Bett! Damit ihr ausgeruht seid, für den nächsten Blog-Beitrag. 

Bernhardts Bäckerei, Knobelsdorffstr. 39, 14059 Berlin, Geöffnet von Montag bis Freitag: 06:30 Uhr - 18:00 Uhr, Samstag: 06:30 Uhr - 13:00 Uhr, Sonntag: 07:30 Uhr - 12:00 Uhr, Tel.: 030-321598 www.bernhardtsbaeckerei.de

Donnerstag, 14. Juni 2012

Frozen Cupcake für Madonna

Niki's Cakes Frozen Cupcake
Flughafenpleite, Hertha-Abstieg, S-Bahn-Chaos – hier in Berlin geht es ganz schön heiß her. Da braucht man ab und zu eine Abkühlung. Was ist aber, wenn es 30 Grad im Schatten sind und man Lust zwar auf ein Eis hat, aber auch auf sein tägliches Stück Kuchen nicht verzichten will? Für Niki's Cakes Nikidiese Leute hat Herr Niki, der „Daniel Düsentrieb der Cupcakes“, in seiner Erfinderwerkstatt etwas ausgetüftelt, das sensationell lecker schmeckt: den „Frozen Cupcake“! Es ist ein normaler Cupcake - aber statt einer Cremehaube auf dem üblichen Rührteig hat der „Frozen Cupcake“ eine Eishaube aus wunderbar erfrischend, leichtem Jogurt-Eis. Die Verbindung der frischen kühlen Früchte, mit dem Jogurteis und dem Teig gleicht einer Hochzeit – eine ideale Verbindung. Ein Geschmackserlebnis, mit dem man einen Sommertag noch mehr genießen kann. Den ganzen Sommer über wird Niki's Cakes detaildiese gelungene Erfindung mit täglich wechselnden frischen Früchten serviert, die nicht nur die optischen Akzente setzen, sondern auch noch erfrischen und gesund sind. 
Ich bin schon seit längerer Zeit sehr zufriedener Gast bei Niki’s Cakes und berichtete am 7. Februar unter der Überschrift „Barbie’s Kuchenladen“ in diesem Blog schon einmal. Und nicht zuletzt wegen der herzlichen Atmosphäre und des guten Kaffees bin ich immer wieder gerne hier in der Windscheidstraße 1 anzutreffen. Ich habe hier mal den besten New York Cheesecake der Welt gegessen! Beim Essen vergaß ich total, wie ich hieß. Später fiel es mir wieder ein – ach ja, ich bin ja der Tortengraf , aber das ist ja nur mein Glucosename. Das aber nur nebenbei bemerkt. 
Und während ich draußen vor Niki’s Cakes meinen Frozen Cupcake genoss, erlebte ich so ganz nebenbei noch ganz, ganz großes Kino: Es hielt nämlich plötzlich am Straßenrand ein schwarzes BMW-Cabrio, aus dessen Musikanlage laute Musik von „Madonna“ dröhnte. Ein Arbeiter mittleren Alters in blauer Latzhose, der gerade vom Nachbarhaus die Lichtreklame eines pleitegegangenen Modegeschäfts abmontierte, brüllte dem schwarzpomadigen Fahrer mit Pornosonnenbrille zu: „Manno, wat jault denn die Olle da im Radio? Gib‘ der ma‘ ‘ne Stulle!“ 
P1010434Oder ein „Frozen Cupcake“ vielleicht? Herrlich! Fast hätte ich mich verschluckt vor Lachen. 
So, nun kann der Sommer kommen. Und wenn es die Berliner Schnauze und Läden wie Niki’s Cakes nicht gäbe, sähe es in Berlin mit seinen Negativnachrichten etwas düsterer aus. Danke, Herr Niki!

Niki’s Cakes, Windscheidstraße 1 (direkt am Sophie-Charlotte-Platz), 10627 Berlin, Di-Sa 11-18 Uhr, So 12-18 Uhr, www.nikiscakes.de

Sonntag, 10. Juni 2012

Haste mal Pasta?

Dienstag bei einem Italiener am Spandauer Damm. Ein junger Mann im Punkoutfit hat sich eine Portion Spaghetti bestellt. In einem unbeobachteten  Augenblick setzt sich ein Spatz auf den Tellerrand. Der Mann verscheucht ihn mit den Worten: "Hau ab, geh' arbeiten!"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 10.06.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 20. Mai 2012

Mehr Energie!

Sachertorte am LietzenseeDonnerstagnachmittag im Café am Lietzensee. An der Theke bestellt eine mollige Frau bei der Bedienung ein Stück Sachertorte ”mit einer doppelten Portion Sahne”, schaut sich zu den hinter ihr wartenden Leute um und fügt entschuldigend hinzu: “Ich will mal wieder meine Kalziumwerte auf Vordermann bringen.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 20.05.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Was zum anfassen

Freitagnachmittag auf der Wilmersdorfer Straße. Eine Frau kommt mit ihrer Teenager-Tochter in eine Buchhandlung und sagt: “Du immer mit deinem Facebook – jetzt kaufe ich dir mal ein richtiges Buch.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 20.05.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 6. Mai 2012

Intelligenztest

Lietzensee
Mittwochnachmittag im Café am Lietzensee. Ein älteres Ehepaar beobachtet eine konzentriert arbeitende Studentin mit Laptop und einem Stapel Büchern, die ein paar Tische weiter sitzt. Da sagt die Frau zu ihrem Mann seufzend: "Hach, ich möchte auch noch mal studieren." Er schaut sie an: "Sei schlau - bleib dumm."
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 6.05.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 3. Mai 2012

EISZEIT!

Fantasia del Gelati Wilmersdorfer Arcaden
Als ich einmal in der Schule vom Lehrer gefragt wurde, wie die drei Eisheiligen heißen, antwortete ich: „Schoko, Vanille, Erdbeer!“
Als ich heute so durch die Wilmersdorfer Arcaden flanierte, kam ich an der Eisdiele Fantasia del Gelati vorbei und mein gräflicher Blick fiel auf ein giftgrünes Eis in der Vitrine und weckte meine Neugierde. Höflich bestellte ich eine Kugel „Pfefferminzeis“ in der Waffel und fragte den italienischen Angestellten, ob ich mich damit auch in den spärlich besetzten Gastraum setzen dürfe. Das wurde von ihm dermaßen vehement verneint, als hätte ich ihn gefragt, ob ich mal eben in seine Eisvitrine urinieren dürfe. Ich wurde ungalant darauf hingewiesen, dass ich in diesem Falle nur bei der Kellnerin am Tisch bestellen dürfe. 
Brav setzte ich mich also an einen Tisch. Als nach einer kleinen Ewigkeit niemand kam, stand ich auf und suchte die Kellnerin. Als ich sie endlich fand, bestellte ich bei ihr eine kleine Kugel Pfefferminzeis in der Waffel (!). Wieder eine kleine Ewigkeit später brachte die Kellnerin mein Eis – in einer hässlichen Plastikschale! Ich verweigerte die Annahme und ging verärgert zur Eistheke und fragte, warum ich nicht sofort ein Eis in der Waffel in die Hand bekommen hätte. Dann hätte man sich das alles sparen können. Dieses Mal traf ich auf einen älteren Italiener (vermutlich der Chef). Mit der typischen Arroganz italienischer Kellner erklärte er mir, dass er das nicht dürfe, „wegen dem Finanzamt und so“, basta! Dann drückte er mir, ohne ein Wort der Entschuldigung, mein Eis in der gewünschten Waffel in die Hand, in einer Art, als wäre ich nur ein ungezogener kartoffelfressender deutscher Lümmel und drehte mir dann einfach unhöflich den Rücken zu. Das Gästedemütigen scheint bei 95% italienischer Gastronomen in Deutschland die Lieblingsbeschäftigung zu sein.
Das Eis schmeckte wässrig und während ich hier diese Zeilen schreibe, gibt es selbst nach ein paar Stunden noch Pfötchen, so dass ich gerade zwei Bullrich-Salz-Tabletten einnehmen musste.
Es ist eine Marotte von einigen Eisproduzenten, die ausgefallensten Sorten zu Kreieren, ohne dabei auf Bekömmlichkeit und natürlichem Geschmack zu achten. Es gibt mittlerweile Marshmellow-Kaugummi, Roquefort-Käse-Eis, Kaktus-Eis, Oliven-Eis und last but not least: Lady-Gaga-Eis. Das schmeckt wahrscheinlich wie Lady Gaga unter den Achseln nach einem Drei-Stunden-Konzert.
Ich hätte da auch noch ein paar Ideen, liebe Eisproduzenten. Wie wär’s denn mit Blutwurst-Eis, Ölsardinen-Eis und Schweinebraten-mit-Soße-Eis? Aber ohne mich! Also ich bleibe lieber bei meinen drei Eisheiligen „Schoko“, „Vanille“, „Erdbeer“.
„Und was ist mit Banane?“ wird jetzt jemand rufen. Na gut, Banane lass‘ ich noch mal gelten.

Eiscafé "Fantasia del Gelato", Wilmersdorfer Straße 46, Wilmersdorfer Arcaden, 10627 Berlin, Mo - Sa: 9:30 - 21:00 Uhr




Donnerstag, 12. April 2012

“Herr Ober, in meinem Tee schwimmen Kugeln!”


„Das muss so.“ wäre wahrscheinlich die Antwort gewesen, wenn ich mich beim Ober beschwert hätte. Ich habe mich aber nicht beschwert. Ich probierte im Asia Pavillon in den Potsdamer Platz Arkaden den berühmt-berüchtigten Bubble Tea, der zur Zeit in (fast) aller Munde ist. Denn Bubble Tea Shops schießen im Moment an jeder Ecke wie Pilze aus dem Boden. Der Blasentee wurde 1988 von der Taiwanesin Lin Hsiu Hui erfunden, als sie sich aus purer Langeweile ihr Tapioca Dessert in ihren Eistee schüttete.
Die bunt-glibbrigen „Popping Bobas“, übersetzt „Perlen, die aufplatzen“ schwimmen in Milch oder in Fruchtsaft mit Eis. Die Kugeln fühlen sich im Mund an wie aufgeweichte Gummibärchen und die pappig-süße Flüssigkeit gibt es in unendlich vielen Geschmacksvariationen und soll angeblich viel Konservierungsmittel und Zucker enthalten.
In diesem Tee ist wahrscheinlich so viel Natur drin wie in einem Doppelkorn Kamillentee. Nun gut, könnte man jetzt sagen. Im Hundekuchen sind ja auch keine Hunde und man nimmt im Alltag so viele Schadstoffe zu sich, ohne dass man es merkt. Dann macht so ein Bubble Tea den Kohl auch nicht mehr fett. Punktum: Ich will mal nicht päpstlicher sein als der Papst. Mir hat’s geschmeckt und es war ein völlig neues Geschmackserlebnis. Wie sagt doch der vielzitierte Berliner Volksmund so schön? „Ick könnt’ma kugeln!“ 

500 ml- oder 700 ml-Becher kosten so ca. zwischen 3 – 4 Euro, Asia Pavillon, Potsdamer Platz Arkaden, Alte Potsdamer Str. 7, 10785 Berlin, Tel: 030 - 2529 6917

Sonntag, 25. März 2012

Verwechslungsgefahr

Lietzensee
Freitagnachmittag im Café am Lietzensee. Ein Ehepaar sitzt am Tisch, der Mann liest Zeitung. Plötzlich zeigt die Frau auf ein Foto: “Das ist doch der… äh… Colombo!” Daraufhin ihr Mann: “Nein – das ist der Gauck.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 25.03.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 12. März 2012

Was haben Schuhe und Torten eigentlich gemeinsam?

Lo Graf von Blickensdorf im ZEHA Berlin Store
Am 10.3. eröffnete ich im Kreuzberger Bergmannstraßenkiez eine Filiale der Kult-Schuhmarke ZEHA Berlin mit folgender Rede:

„Also Schuhe gibt es wirklich reichlich in der Welt. Ja sogar Schuhe aus handmassiertem mongolischem Zwergkalbsleder gibt es - sie sollen an-geblich einen kleinen Fuß machen.
Schuhe sind wichtig in meinen Augen. Wir brauchen sie, um uns komfortabel fortbewegen zu können. Als ich mir vorhin zu Hause meine Schuhe anzog, um zur Eröffnung hier in die Friesenstraße zu gehen, dachte ich noch so zu mir: Wie gut, dass ich kein Tausendfüßler bin. Denn dann wäre ich jetzt noch beim Schuhe zubinden und wäre bestimmt zu spät gekommen. Und noch ein Grund warum ich kein Tausendfüßler sein möchte: Weil Tausendfüßler zum Schuhe kaufen Jahre brauchen. Dann käme ich ja gar nicht mehr zum Torte essen. Obwohl ich schöne Schuhe liebe. So wie Torte.
Modell Derby ZEHA Berlin Graf von Blickensdorf
Haben Schuhe und Torten ei-gentlich etwas gemeinsam? Die Frage ist gar nicht so ab-wegig wie sie auf den ersten Blick erscheinten mag. Also: Was hat paar schöne Schuhe mit einer schmackhaften To-rte gemeinsam? Schnelle Ant-wort: Sie würden beide durchs Abitur fallen.
Nein, Spaß bei Seite. Es gibt zum Beispiel unendlich viele Schuhsorten: 
Sandalen, Slipper, Stöckel­schuhe, Pantoletten, Gummistiefel, Budapester-Schuhe, Stiefeletten, Ballerinas, Mokassins, Schlupfstiefel, Haferl­schuhe, Halbschnürer, Moonboots, Trottoir-Pumps, Überknieschaftstiefel, Schnabelschuhe usw.
Genauso gibt es unendlich viele Tortensorten:
Frankfurter Kranz, Käsesahnetorte, Rhabarber-Baiser, Herren­torte, Sacher-Torte, Schwarzwälderkirschtorte, Linzer-Torte, Fürst-Pückler-Torte, Cup Cakes, Spanische Windtorte, Thüringer Rosenkuchen, Erdbeer-Schoko-Sahne-Torte, Rüdesheimer Schmandt-Torte, Esterházy-Torte, Kalte Schnauze usw.
Und noch etwas haben Schuhe und Torten gemeinsam: Als Symbol der Missbilligung bei unbeliebten Politikern. Weil man zeigen will, dass man sich sogar von dem liebsten, was man hat, trennen kann, um seine politische Meinung deutlich zu machen.
Ich komme deshalb zu dem Schluss, dass Schuhe und Torten zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Schuhe und Torten bilden eine Symbiose: Denn wenn man in eine Konditorei zum Torte essen geht, hat man immer Schuhe an. Hauptsache ist natürlich, es sind gute Schuhe! Sie kennen doch die alte Bauernregel:
Hat der Bauer Hühneraugen,
trägt er Schuhe, die nichts taugen.
Amerikanische Wissenschaftler haben einmal festgestellt, dass besonders Frauen in ihrem Körper ein ausgeprägtes Chromosom haben, das so genannte Schuh-Chromosom – Schuhe und Shoppen lassen sie rund herum einfach alles vergessen. Deshalb wissen Frauen besser als Männer, dass Schuhe das Lächeln des Nachmittags sind. So wie Torten.
Also – bringen Sie Ihren Nachmittag zum Lächeln! Schöne Schuhe und Torten gehören einfach zusammen – sie sind das Schmierfett des Wohlfühlens. Und was sagt der Tausendfüßler, wenn ihm zum Geburtstag neue Schuhe geschenkt werden? “Tausend Dank!”
Auch ICH sage jetzt „Tausend Dank“ für Ihre Aufmerksamkeit – obwohl ich, Gottlob, nur zwei Füße habe – und viel Spaß bei Schuhen und Cup Cakes!“

ZEHA STORE KREUZBERG, Friesenstraße 7, 10965 Berlin, http://www.zeha-berlin.de/

Sonntag, 12. Februar 2012

Mut der Verzweiflung

Cafe ReetFreitagnachmittag in Charlottenburg. Zwei Frauen sitzen in einem Café am Klausenerplatz. Durchs Fenster beobachten sie zwei andere Gäste, die draußen bibbernd vor Kälte Zigaretten rauchen. Sagt die eine Frau: “Die sind aber mutig.” Die andere: “Nö – nur süchtig.”
 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte erschien am 12.02.2012 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Dienstag, 7. Februar 2012

Barbie’s Kuchenladen

Riki's Cherry Merry CupcakeBei meinen zahlreichen Besuchen in Cafés und Patisserien fällt mir oft auf, dass die Einrichtung nicht richtig zu der angebotenen Ware passt. Im neuen Café Niki‘s Cakes ist es endlich mal gelungen. Die quietschbunte Einrichtung passt gut zu den quietschbunten Cupcakes. So, als käme jeden Augenblick Barbie im bonbonfarbenen Cocktailkleid mit ihrem schnieken dauerverlobten Plastik-Boy Ken herein.
Ich aß einen Cherry Merry Cupcake mit Weingummi-Deko und fühlte mich einen Augenblick so, als wäre gerade mein 11.Geburtstag. Dazu trank ich einen Cappuccino, der außergewöhnlich aromatisch gut nach Bohnen schmeckte, was meine Sympathie für dieses Café unweigerlich noch mehr in die Höhe schnellen ließ. Auf mein Nachfragen erfuhr ich, dass es Italiens beliebtester Kaffee war, nämlich Lavazzo. Kein Wunder.
Die Cupcakes sind sehr schmackhaft, der Teig locker und saftig, die luftig-zarte Creme jedoch nicht so penetrant süß, wie man es von den typischen Ami-Cupcakes gewohnt ist. Ich fühlte mich sehr wohl in dem kleinen Café, denn die beiden fachkundigen und netten Betreiber geben einem zu den Riki's Pistazien CupcakeCupcakes und Cappuccino gute Laune noch gratis dazu. An diesem bitterkalten und mausgrauen Wintertag genau richtig. Also nicht nur Barbie und Ken, auch ich und Menschen jeglicher Couleur werden sich hier sehr wohlfühlen - nur nicht Katzen, die leben am liebsten in einem Miezhaus. 

Niki’s Cakes, Windscheidstraße 1 (direkt am Sophie-Charlotte-Platz), 10627 Berlin, Di-Sa 11-18 Uhr, So 12-18 Uhr, www.nikiscakes.de

Mittwoch, 1. Februar 2012

Nervöse Geschmacksnerven

Miroir Vanille et Framboises Lenotre KaDeWe
Immer wenn ich mal im KaDeWe zu tun habe, werden meine Geschmacksnerven nervös und geschickt dirigieren sie mich in die 6. Etage zur Kuchentheke der Patisserie Lenôtre. Französische Torten zeichnen sich im Gegensatz zu deutschen Torten dadurch aus, dass sie verschiedene Geschmacksrichtungen in einer Torte vereinen.
Dieses Mal wählte ich ein Stück „Miroir Vanille et Framboises“ (s.Foto), das wieder ein Meisterwerk der französischen Konditoreikunst war. Ein wahres Konglomerat wertvoller Ingredenzien.
So hatte ich meine Geschmacksnerven wieder beruhigt und sie entließen mich wieder in das bitterkalte Berlin.

KaDeWe, Kaufhaus des Westens, Tauentzienstraße 21-24, 10789 Berlin


Dienstag, 31. Januar 2012

8 Kernsätze für den Adel

1. Der Adel (im Sinne von edel) ist nicht eine Sache des Namens. Wahrer Adel zeigt sich in entsprechend vorbildlicher Haltung und Lebensführung.

2. Der Adel unterliegt der täglichen Bewährung.

3. Der historische Adel lebt von und durch seine Familien, in denen er sich als Glied einer nicht endenden Kette mit den entsprechenden Konsequenzen sieht. Er steht in der besonderen Verpflichtung den Spagat von Vergangenheit bis zur Zukunft Kronezu einer Synthese zu verbinden. Sein Familienname ist Identifikation und ein besonders stark verbindendes Element seiner Familie.

4. Der Adel muss sich seiner Verantwortung gegenüber Staat, Kirche, Gesellschaft und Natur im Blick auf die Erhaltung seines kulturellen Erbes bewusst sein.

5. Der Adel hat keine Lebensberechtigung, wenn er nur von der Vergangenheit lebt und sich auf die historischen Taten beruft, an die seine Namen erinnern. 

6. Der Adel sollte offen gegenüber zeitgeistigen Entwicklungen sein, dabei ebenso seine Tradition, wo es nötig ist, anpassen und weiterentwickeln.

7. Der Adel wirkt im Besonderen durch Glaubwürdigkeit, Toleranz, Bescheidenheit, Einsatzfreude, Loyalität und Dankbarkeit. 

8. Der Adel sollte Vorbild in der Bewahrung erhaltenswerter Lebensformen sein, das kulturelle Erbe pflegen, die Langzeitwirkungen zeitgeistiger Strömungen auch im Hinblick der Überlebensfähigkeit der eigenen Familie immer wieder bedenken und auf Herausforderungen der Zeit aufgeschlossen reagieren.

Freitag, 20. Januar 2012

Massenbetankung für Koffeinabhängige

Portugiesisches Fruchttörtchen
Letzten Samstag besuchte ich mit einem Kollegen den Wochenmarkt auf dem beschaulichen Charlottenburger Karl-August-Platz, weit entfernt vom langweiligen Bionade-Ghetto Prenzlauer Berg. Anschließend wollten wir bei einem Kaffee noch etwas besprechen. Mein Kollege schlug eine Filiale so einer dieser obskuren Amerikanischen Kaffeeketten vor. 
Die total überteuerten Amerikanischen Kaffeeketten sind für mich keine Cafés sondern Massenbetankung für Koffeinabhängige und Geschmacksverirrte. Der labbrige Kaffee, vom Berliner „Lorke“ genannt, schmeckt modrig und die klebrigen Muffins schmecken wie alte Bremsscheiben, so dass einem beim Verzehr die Zehennägel in den Budapester Schuhen hochklappen. Von den ganzen Künstlichen Aromastoffen und Geschmacksverstärkern ganz zu schweigen. 
Außerdem ziehen die schlitzohrigen Betreiberkonzerne arme äthiopische Kaffeebauern über den Tisch. Also weigerte ich mich, dieses zu unterstützen und schlug stattdessen das ganz in der Nähe gelegene AnanastörtchenCafé Aller & Liebst vor. 
Dort bekamen wir eine sehr nette und ausführliche Kuchenberatung. Ich entschied mich für ein Portugiesen-Törtchen (siehe Foto oben) und mein Begleiter bestellte sich ein Ananastörtchen (Foto links). Kaum saßen wir, kam schon die Konditorin aus ihrer Backstube und, schwupps, bekamen wir  beide von ihr einen Löffel dunkler, warmer, himmlisch schmeckender, Schokoladenkuvertüre in den Mund gesteckt. „Nur so zum Probieren.“ meinte sie lächelnd. Wahrscheinlich weil sie uns als Torten-Kenner erkannt hatte. 
Das Portugiesen-Törtchen mit seinem exzellenten Blätterteigboden bestach durch Fülle und Komplexität, obwohl kein Portugiese drin war und mein Gaumen machte an diesem trüben Januartag eine unverhoffte kleine Sonnenreise. Und auch das Ananastörtchen erfüllte alle Kriterien. Alles ist garantiert ohne Künstliche Aromastoffe und Geschmacksverstärker und für Allergiker gibt es sogar auch lactose- und glutenfreie Torten und Kuchen. Dieses, von Mutter und Sohn betriebene, urgemütliche Kiezcafé, kann ich nur wärmstens empfehlen. 
Und außerdem trägt man so mit seinen Besuchen in kleinen Schritten dazu bei, böse amerikanische Großkonzerne zu zerschlagen. 

Aller & Liebst, Goethestr. 59, 10625 Berlin

Mittwoch, 11. Januar 2012

„Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“

Johannisbeer Baiser bei Frau Behrens Torten
Das ist der Leitspruch von Frau Behrens Torten in der Wilmersdorfer Straße. Dem kann ich nur voll und ganz beipflichten. 
In der Tortenvitrine stehen amtliche Torten, wie sie in der Wirtschaftswunderzeit der 50er und 60er Jahre gerne von meiner Tante Friedchen gemacht wurden: Üppig in Form und Inhalt und mit allerbesten Zutaten. Auf ein paar Tausend Kalorien kam es nicht an. Ich schwankte zwischen der Nusstorte und der Johannisbeer-Baiser-Torte. Ich verzichtete auf die Nusstorte und wählte das Baiser-Stück, denn Nüsse sind ungeborene Bäume. 
Scherz beiseite. Als ich den kleinen Gastraum betrat, stellte ich fest, dass er brechend voll war. Ich fand nur einen freien Mini-Tisch. Ich legte ab, ließ mich dort nieder und wartete auf die Johannisbeer-Baiser-Torte. Leider stehen die Tische so eng zusammen, so dass man zwangsläufig das Intimspray der Nachbarin am Nebentisch riechen muss. Und der Geräuschpegel war zeitweilig so laut wie in einem orientalischen Basar kurz vor Basarschluß. Eine Tischnachbarin brüllte mir ins Ohr, dass es demnächst ein „TEFAL-Pfannen-Set für 17.99 Euro“ bei Penny gibt. Das war aber nicht für mich bestimmt sondern für ihre Freundin. Endlich kam meine bestellte Torte. Aufrecht und stolz wie es sich gehört stand sie auf einem schönen Blümchenkuchenteller. Die freundliche Bedienung stellte den Cappuccino und das von mir verlangte Glas Leitungswasser daneben.
Der Cappuccino war sehr gut und wurde in einer hübschen Tasse serviert, auf der „Heidi“ abgebildet war. Der Kaffee stammt nämlich aus der Schweiz und ein Teil des Erlöses geht an die Heidistiftung. Eine gute Sache. 
Nun widmete ich mich der Torte und kam ins Schwitzen. Nein, nicht weil die Größe der Torte mich an ein Schweizer Alpenpanorama erinnerte und mir Angst einflößte, sondern weil mein Katzentisch direkt an einem glühendheißen Heizkörper stand. 
Nachdem ich die erste Kuchengabel voller Torte im Mund spürte, vergaß ich für einen Wimpernschlag alles um mich herum. Die Mischung aus Eischnee und Johannisbeeren war wunderbar leicht und frisch wie eine Wolke im Frühling. Doch der Heizkörper strahlte so heiß und unerbittlich, da ist der Dampfkessel einer Lokomotive eine lauwarme Wärmflasche dagegen. Mir liefen kleine Schweißrinnsale in den Eterna-Hemdkragen und meine Nasenschleimhäute hätten es jederzeit mit einer 5000 Jahre alten ägyptischen Mumie aufnehmen können. Den Rest der Torte konnte ich leider nicht mehr richtig genießen, weil ich nun ungenießbar wurde. Da nutzten die beiden schönen Kronleuchter auch nichts mehr.
Den Leuten scheint es jedoch zu gefallen. Wie heißt es doch so schön? Alles Geschmacksache, sagte der Affe und biss in die Seife. 

Frau Behrens Torten, Wilmersdorfer Str. 96-97, 10629 Berlin