Dienstag, 2. Dezember 2014

Jubelgraf

Jubel Dreierlei Petit Fours Graf von Blickensdorf
Wenn man durch den ungepflegten S-Bahnhof Greifswalder Straße geht und auf die Straße tritt, ist Berlin ganz arm und unsexy. Menschen mit grauen Gesichtern und ebensolcher Kleidung hetzen an einem vorbei und bei der Kälte sieht man ihren regelmäßig ausstoßenden Atemhauch, nur unterbrochen von stakkatoartigem Husten.
Überall sieht man Billigkauf- und Fastfoodketten und ein Imbiss der „Lecker & Satt“ heißt. Fehlt nur noch die Kneipe „Saufen & Lallen“, denke ich. Von weiter Ferne blinkt mir Patisserie Jubel Graf von Blickensdorfnervös der Fernsehturm durch das triste Herbstgrau entgegen, als wolle er mich zum umkehren bewegen.
Doch ich lasse mich von ihm nicht ins Bockshorn jagen und promeniere neugierig die Greifswalder Straße in südlicher Richtung herunter, vorbei an tristen Häusern und dem ungepflegten Ernst-Thälmann-Park mit seinem gleichnamigen Denkmal, das über und über mit schlecht gemachten Graffitos übersät ist. Hier möchte man noch nicht mal seinen räudigen Hamster begraben. Überall verwaiste Dauerbaustellen und unansehnliche Plattenbauten aus der ehemaligen DDR im Waschbeton-Look. Und hin und wieder entdecke ich längst ausgestorben geglaubte Videotheken. Wahrscheinlich besitzen die Bewohner hier noch Videorekorder, die so groß wie Tiefkühltruhen sind, in die sie lexikongroße VHS-Kassetten schieben, um sich in grauen Trainingsanzügen Made in GDR und sich literweise Ost-Cola hineinschüttend, Filme wie „Die Olsen-Bande - alle Folgen“ oder die Shows von „Ein Kessel Buntes – Best of“ reinzuziehen. Weil ihnen nämlich niemand gesagt hat, dass Deutschland inzwischen wiedervereinigt ist und es mittlerweile das Internet gibt.
Direkt gegenüber von Ernst Thälmanns verschmiertem Denkmal befindet sich der „Schnitzel-König“ mit XXL-Schnitzeln so groß wie Autoreifen und DDR-„Spezialitäten“ wie „Würzfleisch“, „Schopska-Salat“ und „Soljanka“, die hoffentlich nicht so alt wie die Wiedervereinigung sind und eigentlich ins Museum müssten.
Doch sobald man die Danziger Straße überquert hat, ändert sich wie durch Zauberhand das Stadtbild. Hipsterläden aller Art fallen einem ins Auge und die ersten, um 14 Uhr gerade aufgestanden Gothic-Hipster in Miniaturzimtschokokuss Jubel Graf von Blickensdorfschwarzen Fledermaus-Mänteln und bleichen Gesichtern, kommen mir mit dampfenden Togo-Kaffee-Bechern in den dünnen Tattoo-Fingern entgegen. 
Als ich links in die Hufelandstraße einbiege, fällt mir ein unscheinbarer Schriftzug einer Patisserie ins tortengeschulte Auge: „Jubel“. Komischer Name für eine Patisserie, denke ich und trete gespannt ein. Drinnen fällt mir sofort die geschmackvolle bauhausige Einrichtung mit pastelligen Fliesen (s. Foto Mitte) einer ehemaligen Fleischerei an der Wand positiv auf. Ich setze mich an einen schönen Tisch direkt am Fenster und beobachte amüsiert draußen auf der Straße zwei verfrorene Männer vom Ordnungsamt mit roten Nasen, die mit klammen Fingern Falschparker aufschreiben.
Nach mir kommen zwei männliche Hipster mit Schnauzbärten, wie ihn Folklore-Sänger Scott McKenzie in den 60igern trug. Ich wähle dreierlei Petit Fours (3,50 €, s. Foto oben) und bekomme von der freundlichen Bedienung den gutgemeinten Rat, in welcher Reihenfolge man sie am besten essen sollte (auf dem Foto oben von rechts nach links). Und sie hatte Recht! Zum ersten Mal bekam ich eine fachgerechte Tortenberatung! Dadurch erhielt ich das optimale Geschmackserlebnis. Die männlichen Hipster werden nach einer Weile von zwei weiblichen Hipstern mit bunten Hipstermützen abgelöst. Doch da schwebe ich schon im Siebenten Tortenhimmel und meine verwöhnten Geschmackspapillen jubeln so laut, dass ich Angst habe, dass die beiden weiblichen Hipster, die sich zwei Tische weiter gesetzt haben, können auf mich aufmerksam werden.
Zum guten Schluss gibt es noch einen Miniaturzimtschokokuss (s. Foto unten) auf Kosten des Hauses (keine Bestechung, denn ich habe mich nicht als Tortengraf zu erkennen gegeben, denn ich trug zur Tarnung einen schwarzen Gothic-Fledermaus-Mantel, eine bunte Hipster-Mütze mit lustigen Bommeln und einen angeklebten Scott-McKenzie-Schnauzbart. Nein! Natürlich nicht! Kleiner Scherz des Autors dieser Zeilen).
Der Miniaturzimtschokokuss gab mir den Rest, selbst meine hintersten Geschmacksknospen wurden nun auch noch wach und feierten Jahrmarkt und ich wusste endlich, wie die P
âtisserie auf ihren komischen Namen kam: weil sie sogar einen Tortengraf zum Jubeln bringen kann!

Jubel - feine Pâtisserie, Hufelandstraße 10, 10407 Berlin

Sonntag, 30. November 2014

SPORTLICH

Lo Graf von Blickensdorf _ Cartoon _ im ChinarestaurantgMontagmittag in einem Asia-Imbiss in der Kantstraße. Nach dem Essen ruft ein Gast dem Küchenchef zu: “Hat sehr gut geschmeckt!” und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: “Wir kommen wieder!” Antwort vom Küchenchef: “Wir lieben Herausforderungen!”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

NOSTALGIE

Foto MünzenFreitagmorgen in einem Supermarkt in der Otto-Suhr-Allee. An der Kasse versucht eine Verkäuferin mehrmals die EC-Karte eines sehr alten Mannes in das Terminal zu schieben, doch die Karte wird nach jedem Versuch vom System nicht akzeptiert. Sagt die Verkäuferin zu dem alten Mann: “Haben Sie da noch D-Mark drauf?” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 30.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 16. November 2014

ZUNGENBRECHER

IMG_0990Freitagnachmittag in einem Imbiss in Charlottenburg. Auf der Wochenkarte steht “Mulligatawny” mit Linsen und Ingwer. Da man nicht weiß, wie man das ausspricht und sich nicht blamieren möchte, bestellt man einfach: "Einmal den Linseneintopf.” Sagt der Verkäufer verschmitzt: “Ach, die Suppe, die Sie nicht aussprechen können?”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 16.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 9. November 2014

AUF DIE OHREN

HandycapFreitagmorgen in der U2. Ein junger Mann schreit schon geraume Zeit in sein Handy, so dass alle Mitfahrenden sichtlich genervt sind. Nach einer Weile sagt ein älterer Herr: “Junger Mann, das ist ein Smartphone und kein Schreiphone!”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 09.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 2. November 2014

DEHNBAR

Alexanderplatz Graf von BlickensdorfSamstagmittag, eine Bekleidungskette auf dem Alexanderplatz. Ein Mann kommt mit einer sichtbar zu engen Hose aus der Umkleidekabine und sagt zu seiner Frau: “Die ist zu eng.” Sie antwortet: “Die gibt noch nach.” Er guckt sie an: “Ich geb’ dir auch gleich nach.” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 02.11.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 19. Oktober 2014

GROBER SCHNITZER

Pauline Stolze Henry de Winter Graf von Blickensdorf
Pauline Stolze, Henry de Winter (Foto: ©Lo Graf von Blickensdorf)
Donnerstagabend während einer Boxveranstaltung auf Schloss Diedersdorf. In der VIP-Lounge bietet eine junge Dame einem eleganten, im Stil der 20er Jahre gekleideten Herrn mit Monokel, ein Kaugummi an. Der lehnt höflich ab: “Nein danke – das passt nicht zu meinem Outfit.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 19.10.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Ab durch die Mitte

KAFFEEMITTE Graf von Blickensdorf Lemon Bars
Wenn die Torte nicht zu mir kommt, gehe ich eben zu der Torte, dachte ich und stieg in die U-Bahn. Ich hatte morgens früh geduscht. Ich vergaß, dass man dann in der U-Bahn negativ auffällt. Vor mir saß eine alterslose Frau voller Akne-Pickel im Gesicht, die mit der einen Hand ein Laptop auf den Knien bediente und mit der anderen Hand einen stinkenden Döner aß, aus dem ein Teil sich auf Sitz und Fußboden verteilte. Zwischen meinen Beinen rollte scheppernd eine leere Bierdose hin und her. Ich KAFFEEMITTE Graf von Blickensdorf 2nahm schalen Biergeruch wahr. Neben mir saß ein Rapper mit hässlicher Bushido-Frisur Kopfhörern, aus denen schrille Geräusche kamen. Seine Geruchsaura bestand aus einer Mischung aus Schweiß, Sperma und Red Bull. Eine Sitzreihe weiter saß ein südeuropäisch aussehender junger Mann mit Basecap, der sich gedankenverloren mit einem Nagelknipser die Fingernägel pedikürte.
Zu allem Überfluss setzte sich eine blondierte Mittdreißigerin noch zu uns, die eine aufdringliche Parfümwolke vor sich hertrug, dass mir die Tränen in die Augen schossen. Iiiihhh … Dicounter-Parfüm! Müssen die sich dann auch noch darin marinieren? Summa summarum: Ich passte hier nicht rein. U-Bahn fahren ist reine Körperverletzung. Beim Aussteigen drängelte sich ein Mann an mir vorbei, der wie zehn volle Aschenbecher stank. Auf dem U-Bahnhof roch es überall nach alten Turnschuhen und Pisse. Angeekelt machte ich, dass ich weg kam.
Vom U-Bahnhof Weinmeisterstraße ist es nur noch ein Rumkugelwurf bis zum Kaffeemitte, dass sich in einem alten DDR-Plattenbau puristisch eingerichtet hat. An den Tischen saßen vollbärtige Hipster mit Klapprechnern, die still vor sich hin hipsterten. Zwei tätowierte Frauen kamen plappernd herein, mit Handtaschen, die so groß waren, dass mir nicht ganz klar war, wer eigentlich wen trägt. Man hätte den Hausrat meiner Zweizimmerwohnung locker darin verstauen können, plus Toaster. Wenn man da eine volle Mülltüte reintut, findet man sie nie wieder. Praktisch eigentlich. Sie holten ebenfalls ihre Klapprechner heraus und abrupt erstarb das Plappern und ihre Gesichter wurden plötzlich von den Monitoren in bläuliches Licht gehüllt, so dass sie beim Casting für einen Tatort als Leiche in der Pathologie bestimmt den ersten Platz gemacht hätten.
Ich hatte mir ein Stück „Lemon-Bars“ (auf deutsch: Zitronen-Schnitte) an der Theke geholt und verzehrte es genüsslich. Es schmeckte sehr angenehm zitronig und am Puderzucker war nicht gespart worden. Endlich bekam ich den restlichen S-Bahn-„Duft“ aus der gräflichen Nase. Eigentlich eine glatte Zwei, aber für den englischen Namen gab es leider Punkteabzug. Undenkbar, dass in einem Café in Paris „Gâteau de crème de beurre“ einfach als „Buttercremetorte“ angeboten wird. Der Cappuccino bewegte sich erstaunlicherweise im höheren Geschmacksniveau. Kein Wunder, er stammt ja auch von der italienischen Kaffeerösterei Caffé Belardi.
Als ich daran dachte, dass ich mit der Stinkebahn gleich wieder in meine heimatlichen Gefilde fahren musste, wurde mir ganz schummrig. Nein, ich wollte diesen wunderbar zitronigen Duft in meiner Nase nicht gegen den Horror-Geruchs-Cocktail in der U-Bahn eintauschen und schnappte mir einen wohlriechenden Mini-Cooper von DriveNow und rauschte ab durch die Mitte.

KAFFEEMITTE, Weinmeisterstraße 9a, 10178 Berlin-Mitte

Sonntag, 12. Oktober 2014

ANGEZÄHLT

Mundhaar-Monika Graf von Blickensdorf GEMADienstagnachmittag in der U-Bahn in Kreuzberg. Ein Straßenmusiker mit Gitarre und Mundharmonika betritt den Wagen und beginnt zu spielen. Sagt ein Mann zu seiner Begleiterin: "Wo ist die GEMA, wenn man sie mal braucht?” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 12.10.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 28. September 2014

KUNSTVERSTAND

Graf von Blickensdorf ist Kunst Berlin Art WeekSonntagnachmittag auf der Berlin Art Week im Kaufhaus Jahndorf in der Brunnenstraße. Ein paar Künstler sitzen in der Cafeteria und trinken Kaffee. Da kommt die Bedienung dazu und zeigt auf ein paar leere Kaffeebecher: “Ist das Kunst oder kann das weg?” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 28.09.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 24. September 2014

Genscher mit Torte oder Das Dessert des Jahres

siam passion adlon graf von blickensdorfWährend ich, eine SMS tippend, durch die Halle des Hotel Adlons ging, stieß ich mit einem Mann mit sehr großen Ohren zusammen. Als ich hoch schaute, erkannte ich den ehemaligen Außenminister und Ex-Vizekanzler Hans-Dietrich Genscher. Ich nuschelte eine Entschuldigungsfloskel, steckte mein Smartphone in die Seitentasche meines Burberry-Sakkos und schritt eilig zur Kuchenvitrine, um das Kuchen- und Tortenangebot  Flanierstock Lo Graf von Blickensdorf Hotel Adlondes Tages zu studieren. Ein Törtchen fiel mir besonders ins Auge: „Siam Passion“ – so der klangvolle, fast biblische Name (7 Euro). Auf einem kleinen Schild erfuhr ich, dass es sich um das frisch gekürte Kempinski Dessert des Jahres 2014 handelte!
Beim Kellner mit seinen exzellenten Manieren bestellte ich neben dem Törtchen noch einen Cappuccino und wollte gerade eine bequeme Sitzecke mit schweren Polstermöbeln ansteuern, als eine gutaussehende, sonnengebräunte 15-köpfige Männergruppe aus einem arabischen Land mit weißen Tüchern auf dem Kopf nebst knöchellangem weißen Gewändern meinen Weg kreuzte. Sofort kam in mir ein leichtes Gefühl von Kölner Karneval hoch. Ein sehr beeindruckender Anblick! 
Hotel Adlon Lo Graf von Blickensdorf
Eine Torte unter der Decke? Nein -
nur eine Lampe.
Aber nun wollte ich unbedingt das Dessert des Jahres essen. Ich konnte es kaum erwarten! Formvollendet wurde es mir serviert. In weiter Ferne sah ich einen bekannten Sänger, dessen Name mir partout nicht einfallen wollte. Das war mir aber jetzt egal. Nun wurde es ernst. War die Auszeichnung „Dessert des Jahres“ wirklich gerechtfertigt? Ich nahm die Dessertgabel in die Hand und belegte sie mit einem Stück Tortengut und ließ sie langsam in meinen gräflichen Mund hineingleiten. Bereits der Duft erinnerte mich an einen herrlichen Palmenstrand in Khao Lak mit türkisfarbenem Wasser, eingerahmt von dschungelbewachsenen Hügeln. Meine Geschmackspapillen meldeten mir Passionsfrucht, Kokosnuss, Mango und Banane. Es schmeckte fruchtig und trotzdem leicht. Grandios! Ich kam zu dem Schluss, dass die Auszeichnung zu Recht bestand. 
Mit guter Laune verließ ich das berühmte Hotel und war heilfroh, dass ich den 87-Jährigen Herrn Genscher nicht so unglücklich umgelaufen habe, so dass er nicht zu Fall kam und sich nicht einen Oberschenkelhalsbruch zuzog. Womöglich wäre er dann hinterher daran verstorben. Nicht auszudenken! Dann wäre ich wahrscheinlich in die Geschichtsbücher eingegangen, als der Trottel, der die Schuld an dem Tod des ehemaligen Vizekanzlers und Außenminister hatte. Nein, das wollte ich nicht! Übrigens: der Name des Sängers ist mir bis heute nicht eingefallen. Dann war er wohl auch nicht so wichtig.

Hotel Adlon Kempinski, Unter den Linden 77, 10117 Berlin

Sonntag, 21. September 2014

GUT GEHALTEN

Lo Graf von Blickensdorf und Joelle Meissner
Die Künstlerin Joelle Meissner vor ihrer Interpretation der Tarot-Karte "Der Kaiser". 

Freitagabend in der Kanadischen Botschaft am PotsdamerPlatz. Einer der Sponsoren bietet einen Likör an und sagt: “Ich arbeite seit 30 Jahren im Nachtleben.” Daraufhin eine Dame: “Davon sieht man aber nichts.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 21.09.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 7. September 2014

HÖRT, HÖRT!

Kaffee Graf von BlickensdorfMontagnachmittag, ein Café in Charlottenburg. Ein Mann bestellt einen Kaffee und holt sein Smartphone heraus, um im Internet zu surfen. Da hört er vom Nachbartisch den Satz: “Das Internet ist das Selbstgespräch der Welt mit sich selbst.” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 07.09.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 3. September 2014

Er aß Aal und sie trank Tee

Du Bonheur Graf von Blickensdorf Dulcey

Ich lasse mich ja gerne bestechen, bevor ich eine Tortenrezension schreibe. Denn positiv schreibt es sich besser und man bekommt weniger Falten im Gesicht. Meine Bestechung war eine Karaffe Leitungswasser mit einem Minzezweig darin, die es gratis zum Cappuccino gab (siehe Foto oben). Das gefiel mir schon mal und machte gute Laune. Es gibt leider Bedienungen, die einen anschauen, als hätte man ihnen einen unsittlichen Antrag gemacht, wenn man um ein Glas Leitungswasser zum Kaffee bittet. Aber wo war ich? Ich bekam neulich von einer mir unbekannten Dame ein Visitenkärtchen einer Patisserie zugesteckt mit den Worten: „Da müssen Sie mal hin! Das ist was für Sie!“ Also radelte ich in den Osten, wo man als Westberliner eigentlich nicht so gerne hinfährt und besuchte die Patisserie „Du Bonheur“. Da ich des Französischen nicht mächtig bin, googelte ich etwas von „Glück“. Es ist mir unverständlich, dass man mitten 
in Berlin einen Laden mit französischen Namen aufmacht. Als Nichtfranzose habe ich den Namen schnell wieder vergessen. Da lobe ich mir doch die Patisserie „Werkstatt der Süße“. Das ist authentisch und den Namen vergesse ich nie! Aber die Berliner werden auch das Wort schon klein kriegen. Schließlich hieß mal „Être peut-être“ (im Zweifel sein) und der Berliner machte daraus „etepetete“. Den einzigen Satz, den ich auf Französisch kann, lautet: Er aß Aal und sie trank Tee. Wenn man das ganz schnell hintereinander spricht, klingt es so, als spreche man fließend Französisch.
DU BONHEUR Törtchen Dulcey Graf von Blickensdorf
Ich wählte ein Törtchen namens „Dulcey“, (4 Euro). Es bestand aus einem hellen Schokoladenmousse, das auf einer Schicht Karamellcreme ruhte. Diese wiederum ruhte auf einem Mürbeteigboden, so dass alles wundervoll harmonierte. Die Krönung bildete eine hübsche Umrandung von gerösteten Haselnüssen. Das halbkugelförmige Törtchen glänzte derartig in der Septembersonne, als hätte es ein hochdekorierter Anstreichermeister mit Chinalack höchstpersönlich lackiert. 
Während ich im Siebten Törtchenhimmel schwebte, riss mich etwas aus den Tortenträumen! Was war das? Irgendein Fremdkörper war in meinen Mund gelangt. Ich holte den Fremdkörper heraus. Es war ein Stück Pappe auf dem zu lesen war „DU BONHEUR“. Ich erkannte die Deko von dem Törtchen wieder. Ich hatte gedacht, dass das Schildchen, wie in anderen Konditoreien dieser Welt auch aus Schokolade oder Marzipan war. Nein, hier war es aus Pappe. Nicht von Pappe war dagegen das Törtchen. Ich genoss es bis zum letzten Zungenschlag. Ein Traum! Da kann ich der Patisserie… äh…, wie hieß sie noch mal? … ach ja, „Du Bonheur“ nur voller Glückseligkeit auf Französisch kontern: À la bonne heure!

Konditorei und Patisserie „Du Bonheur“, Brunnenstr. 39, 10115 Berlin-Mitte

Sonntag, 24. August 2014

KAPITULATION

Lietzensee Graf von BlickensdorfDonnerstagnachmittag im Café am Lietzensee. Ein Mann kommt aufgeregt zur Theke und erkundigt sich, ob sein Portemonnaie gefunden wurde. Der Kellner nickt. Sicherheitshalber bittet er den Mann, die Geldbörse zu beschreiben. “Da ist ein Waffenschein drin”, sagt der Mann. Erschrocken händigt ihm der Kellner das Portemonnaie aus. 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 24.08.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 17. August 2014

Generation Smartphone

Handycap
Sonntagmorgen vor einer Bäckerei in Charlottenburg. Ein vierjähriger Junge läuft telefonierend vorbei und sagt lässig in sein Smartphone: "Und? Alles in Ordnung bei euch?"
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 17.08.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Samstag, 2. August 2014

Sein letztes Gedicht

Casablanca Törtchen 2a

An meine Süße

Hausgemachte Meistertorten
Findest du heut‘ allerorten.
Auch nach allerfeinsten Kuchen
Musst du nicht mehr lange suchen:
Eierkuchen, Spritzgebäcke
Findest du an jeder Ecke.

Gedeckter Strudel, Krokant-Nuss
Guglhupf mit Zuckerguss
Schokotorte mit Baiser
Erdbeer-Rum mit Eierschnee
Süßer Likör. Trauben-Sahne
Stracciatella mit Banane
Karamell mit Flockenboden
frisch kandierte Hammelhoden
Kranz aus Frankfurt, mächtig stark
Rhabarber mit gequirltem Quark.

Gezupfter Kuchen mit Bisquit
Mürbeteig mit Kandissplit
Pistazien, Kokos, Marzipan
(Geheimrezept von Aga Khan)
Hollands echte Olliebollen
Tarts mit mit ganzen Ingwerknollen
Kosakenschnittchen mit Krokant
Marmorstriezel auf die Hand.

Allerfeinste petit four
Lieblingskuchen von Ben Hur.
Berliner, prall vor Marmelade
Zitronat und Orangeade
Mutzenmandeln, Eiserhörnchen
Weihnachtsplatz in Herzenförmchen.
Mandelsplitter, Blätterteich
heiße Kirschen, feucht und weich.
Tafelspitz… HALT! Ist kein Kuchen –
weitersuchen!

Herrencreme – nicht nur für Männer
Damenschoko für den Kenner
Buttercreme und Mangozipfel
schaumig feine Nougatgipfel
Kaiserschmarrn mit Rumrosinen
honigmilde Clementinen
fein gepritzte Nußmakronen
marinierte Röstmaronen
Blätterteig wie Schweineohren
Zuckerguss aus allen Poren
Streuselkuchen, Bienenstich –
aber einmal nur, da gibt es Dich!

(von Peter Grzan )

Mittwoch, 30. Juli 2014

Peter Grzan †

Peter Grzan Performance
Meine erste Begegnung mit Peter Grzan war 1978 in Münster. Ich leitete damals die Kneipengalerie Neuer Krug von Steffi Stephan, seines Zeichens Bassist bei Udo Lindenberg und Jovel-Betreiber, und stand nachts am Tresen, als Steffi zu mir kam und meinte, draußen auf dem Parkplatz warte jemand auf mich, der gerne in der Galerie ausstellen möchte. Da ich immer eine Wartezeit von einem Jahr hatte, war ich nicht sehr erfreut darüber. Die Galerie war nämlich immer total ausgebucht.
Peter Grzan WanderschuheDraußen auf dem Parkplatz empfing mich ein baumlanger Kerl mit Frank-Zappa-Bart, der lässig an seinem Volvo lehnte und mich sofort mit einem Scherz begrüßte. Dann öffnete er seinen Koffer­raum und präsentierte mir im trüben Schein der Straßenlaternen einige seiner Arbeiten. Ich traute meinen Augen nicht! Das waren ja die von mir immer bewunderten Bilder, Objekte und Gags aus der damals sehr erfolgreichen Satirezeit­schrift PARDON (später TITANIC). Nun hatte ich die Originale vor mir! Plötzlich gab es keine Wartezeit von einem Jahr mehr und ich zog ihn für den nächsten Monat vor – seine Ausstellung war ein voller Erfolg!
Doch leider gab es einen kleinen Wermutstropfen. Besonderes High­light waren nämlich seine Wanderschuhe mit den Mercedessternen. Dummerweise wurden die Originalschuhe während der Ausstellung gestoh­len. Der Dieb ließ dafür seine alten Turnschuhe zurück. Ich war sehr ärgerlich darüber, zumal die Ausstellung nicht versichert war. Klein­laut überbrachte ich Pit die schlechte Nachricht und erwartete eine ärgerliche Reaktion von ihm. Doch weit gefehlt! Er war begeistert von der Vorstellung, dass nun jemand eventuell mit seinen Merce­desschuhen im Bus oder in der Straßenbahn fährt. Das entsprach seiner Vorstellung der Omnipräsenz von Kunst, losgelöst vom Museum. Die Welt ein einziger großer Kunstraum – SEIN großer Kunstraum.
Nach und nach kamen wir uns immer näher und langsam entstand eine richtige Freundschaft. Ich nannte ihn mittlerweile immer scherzhaft aber voller Respekt „den großen Tschaaan von Persien“ und besuchte ihn oft auf seinem Bauernkotten in Ramsdorf, wo er neben Katzen, Hühnern und Heidschnucken seine Kunst machte. Dort lebte er in seiner eigenen Welt, ließ ein dressiertes Huhn durch einen brennenden Reifen springen und päppelte ein vom Mutterschaf verstoßenes Lämmchen namens „Hörnchen“ mit der Milchflasche auf. Da Pit kein Fleisch aß, lebten seine Hühner so lange, bis sie eines natürlichen Todes starben und wurden dann auf dem Hühnerfriedhof hinter der alten Scheune mit Würde beerdigt.
Ich lernte einen lustigen und hilfsbereiten Menschen kennen, der mich immer mehr faszinierte. Als ich Pit einmal in Velen auf der Straße überraschte, wie er mit dem örtlichen Pfarrer ein, mit Bibel­zitaten gespicktes, amüsant geführtes Streitgespräch führte, wun­derte ich mich darüber, dass er so bibelfest war. Als ich ihn später unter vier Augen darauf ansprach, woher er denn so viele Bibelzitate auswendig kenne, winkte er ab und schmunzelte: „Ach, die habe ich mir eben alle nur ausge­dacht.“
Er erheiterte mich immer wieder aufs Neue und brachte mich wie kein zweiter zum Lachen!
Als wir einmal auf einer vornehmen Künstlerparty in Hamburg-Blan­kenese waren und uns laut unterhielten und dabei ausgelassen lachten, kam jemand beschwichtigend auf uns zu und bat uns, et­was leiser zu sein, denn dort auf dem Sofa sitze der Herausgeber des Nachrich­tenmagazins DER SPIEGEL „der große Rudolf Augstein“. Solch unterwürfiges Verhalten mochte der Große Tschaaan überhaupt nicht und rief deshalb laut in den Raum: „Was? Rudolf Augstein ist auch da? Ist ja großartig! Ich habe nämlich alle seine Filme gesehen!“
Oder ein anderes Mal besuchten wir eine Ausstellung, die uns beiden nicht sonderlich gefiel. Dort schrieb er in das Gästebuch: „Hervorra­gende Ausstellung – herzlichst Prinz Poldi von Hohenlohe“.
Peter Grzan JesusZu Künstlern hatte Pit eine ganz besondere Zuneigung. Ihnen half er mit Rat und Tat, hatte immer unkonventionelle Lösungen in petto und hielt sich aber selbst immer bescheiden zurück. Hauptsache „seinen“ Künstlern ging es gut. Hier ein kleines Beispiel: Als er mich einmal in Berlin be­suchte, entdeckte er einen kleinen Schmuckla­den bei mir um die Ecke und kam mit der Goldschmiedin ins Gespräch. Sie schilderte ihm ein Problem, dass sie mit einem Schmuckstück hatte und nicht in den Griff bekam. Am nächsten Morgen hatte Pit über Nacht das Problem gelöst, ging rüber in den Schmuckladen, präsen­tierte der überglücklichen Künstlerin die Lö­sung und zog sich wieder bescheiden zurück! Er war wie ein Schutz­engel für Künstler! Auch mir hat er sehr oft aus der Bredouille ge­holfen, worüber ich ihm mein Leben lang dankbar sein werde!
In „seinem“ Kunstverein ART’IG veranstaltete er zahlreiche Ausstel­lun­gen und Konzerte mit vielen bekannten und unbekannten Künst­lern, u. a. mit Götz Alsmann, Josef Beuys, Ingo Insterburg, Thomas Kapielski, Johannes Grützke, Robert Gernhardt, Gottfried Helnwein, F.K. Waechter, Pigor & Eichhorn, Prof. Harry Kramer und Louisana Red, um nur einige zu nennen.
Wenn es mehr Personen vom Schlage Peter Grzans geben würde, sähe es in der Welt be­stimmt etwas besser aus. Viele Menschen, insbesondere seine Schüler und auch Künstler aller Kategorien, ha­ben Peter Grzans ge­sellschaftlichem, kulturellem und sozialem unkonventionellem Engage­ment sehr viel zu ver­danken! Zu Recht bekam er auch dafür vom Bundespräsidenten das Bundesverdienst­kreuz.
Doch über allem stand sein außergewöhnlicher Humor! Niemand wird mich jemals wieder so zum Lachen bringen, wie der große Tschaaan von Persien!

Peter Grzan * 28.07.1951 - 15.07.2014

Sonntag, 20. Juli 2014

WUNSCH

Heinzelzimmer 1Donnerstagmorgen im Hotel Nova in Lichtenberg. Ein Gast verabschiedet sich bei der jungen Dame an der Rezeption mit den Worten: “Und bleiben Sie bitte immer so schön!”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 20.07.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 13. Juli 2014

Fashion Week Berlin 2014

Kader Loth Graf von Blickensdorf Ela F Fenger Raphaela Salentin Joelle MeissnerÄltestenrat. Montagabend auf der Fashion Week im Humboldt Carreé in Mitte. Rolf Eden steht mit einigen jungen Damen im Foyer. Als die Damen plötzlich verschwunden sind, ruft einer erstaunt: “Oh, jetzt sind alle Damen weg!” Rolf Eden antwortet gelassen: “Glauben Sie mir, junger Mann – die kommen alle wieder!” 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 13.07.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste". Auf dem Foto von links nach rechts: Kader Loth, Lo Graf von Blickensdorf, Ela F. Fenger, Raphaela Salentin, Joelle Meissner.

Sonntag, 29. Juni 2014

HEIMSPIEL

Tor ReinzeichnungMontagmittag in einem Discounter in Charlottenburg. Eine junge Frau steht an der Kasse und hat noch etwas vergessen. Sie entschuldigt sich bei ihrem Hintermann, weil sie noch mal zurück in den Laden muss. Der Mann antwortet: “Lassense sich ruhig Zeit – Hauptsache ick bin um 18 Uhr wieder zu Hause, wenn Fußball ist.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 29.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Donnerstag, 26. Juni 2014

Weltmeister-Törtchen

Brasilien TörtchenDieses herrlich erfrischende Törtchen entdeckte ich in der “Werkstatt der Süße”. Es besteht aus Limonen Mousse mit Mango Kern und ist ummantelt von einem Minz/Passionsfrucht Löffelbiskuit. Der frische mango-limonige Geschmack macht die heißen Fußball-WM-Tage etwas erträglicher. Für mich steht der Weltmeister jetzt schon fest: Dieses Törtchen von Patissier Guido Fuhrmann!

Werkstatt der Süße, Husemannstraße 25 · 10435 Berlin

Sonntag, 22. Juni 2014

SCHLAGFERTIG

247007_10200670865767652_1597850468_nMittwochmorgen vor einer Konditorei in Neu-Westend. Ein Firmenwagen der Konditorei parkt zügig ein, ein junger Mann in weißer Konditorkleidung steigt aus und eilt in die Konditorei – in der Hand hält er einen Hammer. 
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 23.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Montag, 16. Juni 2014

NICHT ZÜGIG GENUG

HBF 1_2_tonemappedDienstagnachmittag auf Bahnsteig 13 im Berliner Hauptbahnhof. Ein junges Paar mit Rucksäcken hetzt die Treppe hoch und sieht gerade noch, wie ihr Zug ohne sie entschwindet. Sagt er zu ihr atemlos: “Seinen Zug zu verpassen ist irgendwie abgefahren.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 15.06.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Mittwoch, 4. Juni 2014

Tortenkontrolle

Romanisches Cafe Teil 2Ich hatte vor über einem halben Jahr schlechte Erfahrungen im Romanischen Café (zum Waldorf Astoria Hotel zugehörig) gemacht und darüber berichtet. Aus reiner Neugierde wollte ich noch einmal nachschauen, ob sich mittlerweile etwas geändert hatte. Es hatte sich! Sogar über meine Erwartungen hinaus! Zu meinem Entzücken werden nun hochprofessionelle Torten und Kuchen aus der hauseigenen Patisserie angeboten, dass mein Herz Luftsprünge machte. Ich konnte mich gar nicht entscheiden und wählte schlussendlich ein Stück “Chocolate-Crisp” (s. Foto oben) das in meinem Gaumen herrlich crisperte und die hochwertige Schokolade und diverse andere Ingredienzien brachten mich zum Träumen. Auch der Service war wieder erstklassig, wie man es eigentlich von dem berühmtesten Hotel der Welt erwartet. Sogar das obligatorische Romanisches Café Fußmatte Graf von BlickensdorfGlas Leitungswasser zum Cappuccino gab es! Chapeau! Das Stück kostete zwar stolze 6 Euro (!) und der Cappuccino 4,50 Euro – aber Qualität hat eben ihren Preis. Und Torten sind die Rettungsringe auf dem Strom des Lebens – und die sollten einem etwas wert sein. 
Nachdem ich beim Hinausgehen die verlockensten süßen Kreationen in der Vitrine warten sah, denke ich, dass mir noch höchste Genüsse bevorstehen. Vielleicht gibt es dann auch anstatt Dessertgabeln richtige Tortengabeln?

Romanisches Café im Waldorf Astoria Berlin, Hardenbergstr. 28, 10623 Berlin, www.waldorfastoria3.hilton.com

Freitag, 30. Mai 2014

Meine Entdeckung in Ecuador

ecuador dessertAls ich neulich bei Seiner Exzellenz dem Botschafter von Ecuador, Jorge Jurado, die wundervolle Küche seiner Heimat kenenlernen durfte, fiel mir eine mir vorher völlig unbekannte Frucht besonders auf: Die Tamarillo, auch Baumtomate genannt (auf dem Foto oben rechts im Anschnitt). Ihr Geschmack schwankt zwischen süß und säuerlich und hat obendrein noch einen leichten, sehr angenehmen Bittergeschmack.
Ich war so fasziniert, dass ich durch meine Entzückung die Aufmerksamkeit meiner charmanten Tischnachbarinnen aus Ecuador auf mich zog. Lächelnd klärten sie mich auf: Tamarillo sind eigroße, tomatenähnliche Früchte, auch Baumtomaten genannt. Sie wurden schon vor Jahrhunderten von den Indios kultivert und zählen zu den Nachtschattengewächsen, sind entfernt verwandt mit den Tomaten und Kartoffeln, zählen allerdings zu den Früchten und nicht zum Gemüse. Sie schmecken süß-säuerlich und haben die Konsistenz einer reifen Frucht, die vergleichbar mit der von Pflaumen ist.
Die kleinen Vitaminbomben haben viel Vitamin C, Eisen, Cacium, Magnesium, Phosphor. Man kann man die Frucht zu süßen Desserts (s. Foto oben) oder salzigen Gerichten zugeben oder auch damit exotische Drinks mixen. Leider sind die Geschmacksbomben in Europa sehr teuer. Aber jetzt weiß ich, was ich bei meinem nächsten Besuch in Ecuador als erstes bestelle: Tamarillos!
Für mich war es auf jeden Fall eine Neuentdeckung, die mir gute Laune gemacht hat – und aus diesem Grunde mache ich es Roberto Blanco nach und singe mit etwas abgewandeltem Text: „Ich komm‘ zurück nach Tamarillos, denn mein Herz hängt an Tamarillos, schallala lala lalala...“
Seine Exzellenz der Botschafter von
EcuadorJorge Jurado (rechts)

Samstag, 3. Mai 2014

DR. NO

Samstagmittag vor dem Fischimbiss Rogacki in der Wilmersdorfer Straße. Zu einem alten Mann an den Tisch gesellt sich ein jüngeres Paar. Sofort fängt der alte Mann an, von seinen zahlreichen Krankheiten zu erzählen. Nach einer Weile sagt der junge Mann von dem Paar: “Könnten Sie nicht von etwas anderem erzählen? – Ich bin nämlich Arzt.”
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 27. April 2014

Öö là là

Lo Graf von Blickensdorf und Lo Graf von Blickensdorf Montagnacht auf der Eröffnungsparty des Geschäfts von Harald Glööckler. Eine junge Dame erklimmt die Bühne und singt ein paar Lieder. Da sagt ein Herr zu seiner frau: “Sie will sich hier bestimmt einen Namen machen.” Die Sängerin war Xenia Gabriela Florence Sophie Iris Prinzessin von Sachsen Herzogin zu Sachsen.
Diese von mir persönlich erlebte und aufgeschriebene Geschichte, erschien am 27.04.2014 auch im Berliner TAGESSPIEGEL in der Sonntagsbeilage unter der Rubrik "Berliner Liste".

Sonntag, 6. April 2014

Unfreundliche Aushilfskräfte oder Warum ich die Himbeer-schnitte nicht essen konnte

Rösler Himbeerschnitte Graf von BlickensdorfIch habe immer gedacht, ich wäre mit meinen Seidenkrawatten, der Windsor-Weste, dem englischen Tweedsakko plus Einstecktuch eine gepflegte Erscheinung. Auch achte ich (seit meiner Kindheit übrigens) stets auf saubere Fingernägel und dusche regelmäßig. Doch dieser Eindruck scheint bei manchen Leuten nicht anzukommen. Was war passiert? Eigentlich nicht viel. Ich kaufte bei der Bäckereikette Rösler in der Sophie-Charlotten-Straße 42 (im REWE-Markt) lediglich eine Himbeerschnitte für 1,60 €, weil mir die knallig rote Deko sofort ins Auge fiel. Wenn ich da noch eine Deko-Kirsche draufsetze, habe ich wieder ein prima Foto für meine Tortenfotoserie, dachte ich. Freundlich zeigte ich auf die Himbeerschnitte und bat die Frau hinter der Theke, sie mir für zu Hause einzupacken. 
Sie nahm nur widerwillig die Schnitte aus der Vitrine, als müsse sie sich von ihrem heißgeliebten Kanarienvogel trennen. Dann verpackte sie mit grimmigen Gesicht das Kuchenstück. Als ich ihr ein 2-Sprunghaft TagesspiegelEuro-Stück über die Theke reichte, brüllte sie mich zu meiner Überraschung mit überschlagender Stimme im barschen Kasernenton an: “Hinlegen!” Häh? Hinlegen? Hier vor der Kuchentheke? Hatte ich etwa übersehen, dass wir hinterhältig von einem verspäteten StuKa aus dem 2. Weltkrieg angegriffen werden? Nein. Sie meinte meine 2-Euro-Münze, die ich ihr entgegenhielt. Als ich nicht schnell genug auf ihren Befehl reagierte, rief sie wiederholt: “Hinlegen!” Neugierig fragte ich sie freundlich, warum ich die Münze hinlegen solle, kam ihre ruppige Antwort: “Weil ick dit sage!” 
Diese Filiale der oben genannten Bäckereikette ist mir schon öfters durch unhöfliches Benehmen negativ aufgefallen. So ist mir schon mehrmals das Wechselgeld an meiner geöffneten Hand vorbei auf den Verkaufstresen geknallt worden, so dass ich es mir mühsam Münze für Münze aufklauben musste. Was mit kurzgeschnittenen, gepflegten Fingernägeln gar nicht so einfach ist. Vielleicht sehe ich ja wie ein potentieller Überträger des Pfeifferschen Drüsenfiebers aus. Wer weiß? 
Ein anderes Mal war ich Zeuge, wie ein junger Mann etwas forsch einen Cappuccino bestellen wollte. Darauf antwortete eine andere Aushilfskraft, die noch mit Brotschneiden beschäftigt war: “Einen Augenblick – wir springen sofort!” (s. dazu auch meinen Text links aus dem TAGESSPIEGEL
Doch Moment, ich möchte hier nicht Witze über unterbezahlte und ausgebeutete Aushilfskräfte machen. Schuld daran sind die Unternehmen, die ihre Leute aus Geldgier schlecht bezahlen. “Gewinnmaximierung” wird das von den schnöseligen Managern verschönt genannt. Das ist aber falsch gerechnet. Dabei bleibt nämlich unter dem Strich: Man erhält billige Arbeit für billigen Lohn. Und das schlägt sich mittelfristig auf das Unternehmen und die “Gewinnmaximierung” nieder. 
Als ich endlich zu Hause das Kuchenpaket öffnete, erlebte ich noch eine Überraschung. Nicht nur, dass die Himbeerschnitte bei normaler Beleuchtung ihre ganze Leuchtkraft eingebüßt hatte (Wird man etwa durch Spezialbeleuchtung als Kunde getäuscht?), sondern dass ich auch noch auf  ihr ein unappetitlich langes Haar entdeckte! So blieb ihr der Weg in die Mülltonne, anstatt in den gräflichen Magen, nicht erspart.

Bäckerei Rösler (im REWE-Markt), Sophie-Charlotten-Straße 42, 14059 Berlin-Charlottenburg